top of page

💞 Wir – nicht nur Eltern, sondern auch Paar

  • Tina Haldi
  • 18. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Unser Alltag ist voll. Termine, Gespräche mit Fachpersonen, neue Diagnosen, Anpassungen für den Kindergarten, Arbeiten, Reizüberflutungen, Krisenmanagement. Manchmal fühlt es sich an, als wären wir beide im Dauereinsatz. Und ja, das sind wir auch oft. Aber: Wir sind nicht nur Eltern, wir sind auch ein Paar.

Und das dürfen wir nicht vergessen.


Inmitten der To-dos, der Notfälle und dem ständigen „Funktionieren“ versuchen wir, uns Inseln zu schaffen. Räume, in denen wir einfach wir sein können – ohne Kind, ohne Arbeit, ohne Medien. Manchmal sitzen wir nur nebeneinander auf dem Sofa und sagen nicht viel. Und das ist gut so. Stille kann Nähe sein. Und Verbindung.


Wir haben gelernt, dass wir uns Zeit nehmen müssen, nicht nur finden. Es ist ein bewusstes Einplanen: Zeit, um zu reden. Und genauso Zeit, um gemeinsam zu schweigen. Es ist nicht immer romantisch im klassischen Sinne. Aber es ist ehrlich, echt – und tief.

Natürlich gibt es auch Stolpersteine. Mein Mann ist betroffen von Alexithymie – das heisst, Gefühle wahrzunehmen oder zu benennen fällt ihm schwer. Das kann manchmal zu Missverständnissen führen. Nicht, weil er nicht will. Sondern weil er Gefühle oft anders erlebt.



Wir lernen beide täglich dazu. Und wir geben diesem Thema bewusst Raum – auch, wenn es manchmal weh tut. Weil wir beide wollen, dass Verbindung entsteht.

Missverständnisse gehören dazu. Aber sie dürfen nicht einfach stehenbleiben. Wir sprechen sie an. Manchmal mit Zeitverzögerung. Manchmal mit Tränen. Aber immer mit der Absicht, wieder zueinander zu finden.


Ein wichtiger Punkt, den ich für mich erkannt habe: Ich muss merken, wann eine Alarmphase vorbei ist.

Wenn unser Kind in einer Krise ist, funktioniere ich. Ich schalte auf Rot. Alles ist hochgefahren: meine Aufmerksamkeit, meine Anspannung, mein Denken, mein Nervensystem. Ich bin komplett im Helfermodus. Das ist notwendig. Aber was ich lange nicht gelernt habe: wieder runterzufahren, wenn es vorbei ist.


„Phase Rot ist vorbei“, sage ich mir heute ganz bewusst. Jetzt darf Orange kommen. Und irgendwann auch wieder Grün. Dann ist wieder mehr Platz: für uns, für Gespräche, für Nähe, für Essen ohne Zeitdruck, für ein gemeinsames Lachen.

Für mich ist das ein Akt der Selbstfürsorge – und der Beziehungspflege. Denn unsere Paarbeziehung verdient es, gesehen zu werden. Auch, oder gerade weil sie mitten im Sturm lebt.


💡 Alexithymie bedeutet wörtlich „keine Worte für Gefühle“. Menschen mit Alexithymie haben oft Schwierigkeiten:

  • eigene Gefühle wahrzunehmen (z. B. „Ich spüre etwas, aber weiss nicht was“)

  • Gefühle zu benennen oder einzuordnen (z. B. ist das Wut, Angst oder Hunger?)

  • körperliche Empfindungen von Emotionen zu unterscheiden (z. B. fühlt sich Traurigkeit wie Magenweh an)


Das heisst aber nicht, dass diese Menschen keine Gefühle haben – sie fühlen, aber sie können es oft nicht so ausdrücken, wie neurotypische Menschen es erwarten.


👫 Impulse für euch als Paar im neurodivergenten Alltag

1. Plant euch bewusst Pausen ein – nicht erst, wenn ihr erschöpft seid.

Fragt euch: „Wann war unsere letzte Zeit zu zweit – ohne Kind, ohne Medien, ohne To-dos?“


2. Macht euch gegenseitig aufmerksam auf Stressphasen.

Frage dich selbst: „Bin ich gerade in Phase Rot? Oder könnte ich schon in Orange oder Grün sein?“

Frage deinen Partner oder deine Partnerin: „Wie geht’s dir gerade wirklich – ohne Worte, vielleicht mit einer Farbkarte?“


3. Sprecht über Missverständnisse, auch wenn es später ist.

Manchmal braucht es Zeit, bis man merkt, dass etwas weh getan hat. Das ist okay.

Tipp: Vereinbart eine ruhige Zeit pro Woche, um über die Woche als Paar zu reflektieren.


4. Gefühle müssen nicht immer erklärt werden – manchmal reicht es, sie zu benennen.

Wenn dein Partner oder du Schwierigkeiten habt, Gefühle zu erkennen (z. B. bei Alexithymie): Nutzt Symbolkarten, Körperempfindungen oder Bilder. Auch „Ich weiss nicht, was ich fühle, aber ich spüre Druck in der Brust“ ist ein Anfang.


5. Erinnert euch regelmässig daran: Ihr seid nicht nur Eltern.

Frage für beide: „Was mögen wir aneinander ausserhalb des Elternseins?“


 
 
 

Kommentare


bottom of page